Ten Years Ago, I Arrived in Berlin Without Knowing Who I Would Become

Vor zehn Jahren kam ich in Berlin an – ohne zu wissen, wer ich werden würde

Vor zehn Jahren landete ich nachts in Berlin, mitten im Winter.

Es war kalt, dunkel und fremd. Ich zog meinen Koffer durch den Schnee, und unterwegs brach eines der Räder ab. Dieser Moment ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben – nicht weil er dramatisch war, sondern weil er genau zeigte, wie unvorbereitet ich war.

Ich kam mit Unsicherheit, Angst und wenig Selbstvertrauen.

Ich wusste nicht, wie lange ich bleiben würde, was ich hier tun wollte oder wer ich werden könnte.

Ein Ort zum Ankommen

Ich hatte Glück. Innerhalb von zwei Wochen fand ich eine WG. Meine Mitbewohnerin wurde eine Freundin, und wir sind bis heute in Kontakt. Damals hatte ich ein einjähriges Working-Holiday-Visum. Ich sah es als Pause – ohne große Erwartungen.

Ich ging zum Deutschunterricht.

Ich lief viel durch die Stadt oder fuhr Fahrrad und lernte Berlin langsam kennen.

Mein erster Sommer in Berlin war wunderschön.

Das Grün, die langen Abende, die besondere Stimmung der Stadt – all das hat mich tief berührt. Ich habe gemerkt, wie sehr ich den Sommer hier liebe. Trotzdem war ich innerlich oft unruhig.

 

Leben mit Angst und Ungewissheit

In dieser Zeit hatte ich viel Angst.

Angst zu scheitern. Angst, falsche Entscheidungen zu treffen. Angst, nirgendwo wirklich dazuzugehören.

Ich hatte keine klare Vorstellung davon, was ich in Berlin machen wollte.

Aber ich wusste: Ich wollte bleiben.

Nach dem ersten Jahr versuchte ich, einen festen Job zu finden – ohne Erfolg.

Stattdessen beantragte ich ein Freelancer-Visum, unterstützt durch Projekte aus Taiwan.

Diese Jahre waren schwierig.

Ich erlebte zwei Ablehnungen meines Visums und musste Einspruch einlegen. Ich fühlte mich verloren, unsicher und ständig im Wartemodus. Mein Leben schien nie wirklich anzukommen.

Nach innen schauen

In dieser Zeit begann ich, auf andere Weise nach Ruhe zu suchen.

Ich interessierte mich mehr für Spiritualität und dafür, nach innen zu schauen, statt ständig im Außen nach Antworten zu suchen.

Gleichzeitig begann ich, mit ätherischen Ölen zu experimentieren – ganz intuitiv. Ich suchte nach etwas, das mich beruhigen und erden konnte. Besonders die Kombination aus Myrrhe und Weihrauch hat mich damals begleitet. Ihr tiefer, warmer Duft gab mir ein Gefühl von Halt, vor allem während der Meditation. Er half mir, langsamer zu atmen und zur Ruhe zu kommen.

Kurz vor der Pandemie nahm ich an einem Vipassana-Retreat in einem Kloster in Thailand teil, Wat Pa Tam Wua, tief in den Bergen. Die Erfahrung war still und intensiv. Ich musste mich mir selbst stellen, ohne Ablenkung.

Diese Zeit hat mich verändert.

Nicht, weil sie mir klare Antworten gab, sondern weil sie mir zeigte, was ich loslassen durfte.

Nach meiner Rückkehr traf ich bewusst die Entscheidung, bestimmte Beziehungen und Menschen aus meinem Leben gehen zu lassen. Es war nicht leicht, aber es fühlte sich richtig an.

Zurück in eine veränderte Welt

Dann kam COVID.

Ich hätte mein Visum im März 2020 bekommen sollen. Nach monatelangem Warten kehrte ich schließlich zurück nach Berlin – am Ende des Sommers, unter Reisebeschränkungen. Ich erinnere mich, wie ich während des gesamten Fluges eine Maske trug. Die Welt fühlte sich fragil und fern an.

Diese Zeit war chaotisch, aber sie hat mich wachsen lassen.

Auf eine stille, nachhaltige Weise.

 

Wo ich heute stehe

Irgendwann traf ich meinen Mann.

Ich fand eine neue Familie und Freundschaften, die sich wie Zuhause anfühlen.

Das letzte Jahr war voller Veränderungen. Ich bin drei Mal umgezogen.

Vieles ist noch im Prozess.

Ich lebe weiterhin mit Unsicherheit.

Aber ich habe weniger Angst als vor zehn Jahren.

Ich bin dankbar – nicht, weil alles perfekt verlaufen ist, sondern weil jede Erfahrung mich geprägt hat.


Danke, Berlin.

Danke, Leben.

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